Prešov 2019 - zu Gast bei Freunden Vol. 6

Nachdem unsere Slowakischen Austauschschüler Landsberg bereits im Mai besuchten, ging es für uns Ende September auf große Reise. 16 Stunden Busfahrt, hunderte Quizfragen von Frau Tietz und Herr Armstorfer und nur zwei „Beinahe Verluste“ (Flixbusse warten blöderweise nicht auf verschlafene FOS-Schüler), sind zu verzeichnen. Beim großen Wiedersehen in Prešov flossen unzählige Freudentränen. Der erste Tag klang bei den meisten von uns mit einem ruhigen Spaziergang, Restaurantbesuch oder einem Bowlingabend aus. Andere wiederum fuhren auf der hauseigenen Motocrossstrecke oder bekamen einen privaten Rundflug, einmal quer über die Ost-Slowakei. Ein Teil der Unterkünfte ähnelte zu unserer Überraschung auch eher einem Schloss als einem gewöhnlichen Haus – wohingegen andere in typischen Plattenbauwohnungen eingerichtet waren. Für den nächsten Tag stellten wir Schüler ein Grillfest mit anschließender Burgbesichtigung auf die Beine. Die neue Woche starteten wir mit einem Besuch des Gymnasiums Konstantinova und einer Stadtrallye. Von nun an ging es mit dem slowakischen Bus, der satte 2,8 Millionen km drauf hatte, weiter. Wir fuhren zum höchsten Gebirge der Slowakei, der Tatra, wo wir bei wunderbarem Altweibersommerwetter zu Gipfelstürmern werden sollten. Glücklicherweise erbarmten sich die Lehrer und legten verschiedene Etappen fest, an denen wir Schüler die Wanderung beenden konnten. Doch die meisten packte der Ehrgeiz und so erklommen über die Hälfte der Schüler und Lehrer den höchsten Punkt und legten an dem Tag stolze 27 km zurück. Diejenigen, die schon nach 6 km schlapp machten, bekamen zur Strafe einen Sonnenbrand. Die Tour durch eine Fledermaushöhle stellte sich spannender als zunächst gedacht heraus. Der Tourguide führte uns durch enge, angsterregende Passagen und überzeugte vor allem mit seiner Hightech-Austattung (Kerze auf einem Helm). Nach weiteren Burg- und Schlosstouren, einem Museumsbesuch und Stadtbesichtigungen neigte sich die Woche dem Ende zu. Den letzten Tag ließen wir in einer netten slowakischen Bar ausklingen. Dementsprechend müde trafen wir uns am Samstag am Busbahnhof. Es war Zeit Abschied zu nehmen und passend zur bedrückten, traurigen Stimmung regnete es wie aus Strömen. Schöner als in jeder schnulzigen Romanze fuhren wir unter Tränen (auch der ein oder andere Lehrer konnte sich die Tränen nicht verkneifen) davon, zurück nach Deutschland.

Nina Lippold (SF12b)

Prešov 2017 – zu Gast bei Freunden Vol. 5

Gemäß Art. 131 der Bayerischen Verfassung sind unserer Schüler „im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.“

Während unserer diesjährigen Fahrt in die Slowakei, wo unsere 18 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler die bayerische Fahne auf slowakischen Bergen gehisst, mit ihren Austauschpartnern gefeiert, in den Gastfamilien diskutiert, Freundschaft und Verbundenheit erlebt, Solidarität gespürt, aber auch (Verständnis-)Probleme verhandelt und aus dem Weg geräumt haben, genau da kommen wir der Erfüllung dieser hehren Ziele an unserer Schule doch eigentlich recht nahe.

Von daher hat sich der diesjährige Schüleraustausch erneut gelohnt und wir – das Team International – hoffen, dass es auch im Jahr 2018 wieder eine Gruppe von Slowaken zu uns an die Schule schafft und wir einen Gegenbesuch erleben können. Die Erfahrung der Gastfreundschaft in einem Land, das uns räumlich recht nahe ist, aber trotz der vielen kulturhistorischen Gemeinsamkeiten doch irgendwo auch fremd erscheint, ist auch für die Begleitlehrkräfte einzigartig. In den acht Tagen durften wir – Daniela Haider, Barbara Madl und Christoph Vogel – Städte (Kosice, Prešov), ursprüngliche Natur (Tatra, Orava), Höhlen im Karst (Domica, Brestovská jaskyna), Kulturlandschaften (z.B. Museumsdorf der Region Orava), die faszinierende und fast vollständig intakte mittelalterliche Burganlage Orava und das klassizistische Schloss Betliar des Grafen Andrassy mit seiner eindrucksvollen Innenausstattung bzw. Mobiliar (Renaissance bis Jugendstil) sehen. In acht Tagen gewannen wir einen kleinen Eindruck von der Vielfalt der Slowakei: Prachtbauten, Weltkulturerbe, aber auch zerfallene Dörfer, kaputte Industrieanlagen und verlassene Kolchosen. Gepflegte Kulturlandschaft und wilde Natur. Neureiche in Luxuslimousinen und eine Mittelschicht, wo eine vierköpfige Familie fast immer mit weniger als 2000 Euro auskommt, häufig auf nicht mehr als 60m² lebt und Kinder sich Schlafzimmer teilen, Eltern auf dem Sofa im Wohnzimmer schlafen. Zum Bersten volle Kirchen, junge Paare, die drei oder vier Jobs haben, Frauen, die meist sehr viel Wert auf ihr Äußeres legen, Sinti und Roma, die in slumähnlichen Siedlungen leben. Eine Szene wie aus einer anderen Zeit: Dorfbewohner in einfachen Stoffhosen und -hemden sowie Wildlederwesten miteinander diskutierend im Sattel ansehnlicher Pferde im slowakisch-ungarischen Grenzgebiet, … Viel Zeit für Schlafen blieb da nicht, weil auch die Abende mit Programm gefüllt waren.

Wen das alles neugierig macht und wer den Austausch bereichern möchte, möge 2018 ganz einfach selbst mit von der Partie sein…

(Christoph Vogel)

Prešov 2016 - zu Gast bei Freunden Vol. 4

Was weißt DU über die Slowakei? Wahrscheinlich nicht viel. Umso besser, dass Du direkt die Möglichkeit hast, das zu ändern – und zwar im Rahmen des Schüleraustausches an unserer Schule. Die Slowakei ist ein eher ungewöhnliches Reiseziel und Du fragst Dich bestimmt, weshalb es sich dann überhaupt lohnt, trotzdem dorthin zu fahren.

Wir haben uns getraut und waren letztes Jahr beim Schüleraustausch mit von der Partie. Erstmal kamen im Juni die Slowaken zu uns. Zwischen der ersten Begegnung und dem Abschiedsessen lernt man sich dann unglaublich gut in der Gruppe kennen. Du wirst nicht glauben, was Du in einer gewöhnlichen Schulwoche erleben kannst. Du denkst, Andechs, Grillabende und Ausgehen in der Stadt sind schon gut, dann wart erst mal ab, bis Du in der Slowakei bist.

Dort erwartet Dich neben einer Stadtführung und Ausflügen ein abwechslungsreiches Programm (z.B. beeindruckende Wanderungen) mit viel Freizeit und selbst gestalteten Abendaktivitäten ;) Und natürlich auch jede Menge Zeit, die Austauschpartner und ihre Familien kennenzulernen und ein bisschen in die slowakische Kultur einzutauchen.

Wir sind ehrlich zu Euch – auch wir haben lange überlegt, ob wir mitfahren sollen. Im Nachhinein war es eine der besten Entscheidungen, die wir hätten treffen können. Trau Dich und fahr mit, Du wirst es nicht vergessen, das können wir Dir versprechen. Viele Möglichkeiten an einem Schüleraustausch teilzunehmen bleiben Dir nicht mehr!!

Viel Spaß in der Slowakei wünschen Julia Hahn und Valentin Schreiber, S12c

Prešov 2015 - zu Gast bei Freunden Vo. 3

Nachdem wir bereits im Juni unsere slowakischen Freunde in Landsberg willkommen heißen konnten, führte uns der Schüleraustausch vom 18.09.2015 bis zum 26.09.2015 in die Slowakei. Früher als geplant und mit Regen im Gepäck sind wir am Samstagmorgen in Prešov angekommen. Wir wurden freundlich in unseren Familien aufgenommen und hatten das Wochenende Zeit uns näher kennenzulernen. Da die Slowaken ein sehr gläubiges Volk sind, stand für viele erstmal am Sonntagmorgen der Besuch in der nächstgelegenen Kirche an. Jeder Schüler aus Deutschland hatte an diesem Wochenende individuelles Programm und so gab es bereits am Montag viel zu erzählen.

Am Montag in der Früh stand Schule auf dem Plan und wir wurden vom Schulleiter des GKII in Empfang genommen. Damit wir auch unsere Austauschstadt näher kennenlernen konnten, bekamen wir eine Stadtführung durch Prešov. Als Schmankerl durften wir nach langem Treppensteigen die wunderschöne Aussicht vom dortigen Kirchturm genießen. Einige Deutsche hatten so ihre Probleme mit der Höhe und Konstruktion des Turmes :D . Nach einem stärkenden Mittagessen in der Schulkantine haben wir eine Stadtrally mit Hilfe unserer Slowaken durchführen müssen, wobei alle viel Spaß hatten. Bei der Willkommensfeier am Abend wurden wir in die Tiefen der slowakischen Kultur eingeführt. Von festlichem slowakischem Essen über traditionale Musik bis hin zu Trachten und typischen Bräuchen war für jedermann was dabei. Danach gingen fast alle Deutschen und Slowaken zusammen in einen Pub, wo wir tanzend und singend den Abend ausklingen ließen.

Am nächsten Tag bekamen wir  „frisch und munter“  einen Vortrag von einer Referentin der slowakischen Agentur für Arbeit. Dabei wurden wir unter Anderem auf das europäische Berufsportal EURES aufmerksam gemacht. Anschließend wurden wir durch die größte Brauerei der Region Šariš geführt, wobei es zur allgemeinen Enttäuschung von uns Schülern lediglich den Lehrern gestattet war, einen Schluck des braufrischen Naturtrüben zu probieren. Zu Fuß ging es bei schönem Wetter zurück nach Prešov.

Am Mittwoch startete unser zweitägiger Ausflug mit Übernachtung in der Hohen Tatra. Unser erster Stopp war die größte Burg Zentraleuropas, die sehr beeindruckend war. Nach der Führung durften wir das Gelände rund um die Burg auf eigene Faust erkunden. Danach ging es ab in das wunderschöne Slowakische Paradies, wo wir eine vierstündige, abwechslungsreiche Wandertour mit Streckenabschnitten, die teilweise nur mit Leitern zu bewältigen waren. Nachdem alle wieder gesund am Bus angekommen waren, fuhren wir in unser Hotel, wo Einige schon kurz nach dem Abendessen todmüde in ihre Zimmer gingen, während die Nacht für Andere noch etwas länger dauerte.

Am nächsten Morgen ging es dann aber schon wieder in aller Früh weiter zum nächsten Etappenziel, das Gebirge der Hohen Tatra. Nach der Wanderung erreichten wir einen wunderschönen Gebirgssee mit einer atemberaubenden Aussicht auf das Tatragebirge, welches von der Sonne angestrahlt wurde. Der perfekte Ort zum Ausruhen für einen Teil der Gruppe, Startpunkt für eine Gipfeltour für den Rest (wobei die Partyfraktion vom Vorabend geschlossen hoch ‚durfte‘).

Freitag, quasi unser letzter Tag, waren wir wieder an der Schule, um unser vom EU-Bildungsprogramm Erasmus+ gefördertes  Projekt zu Ende zu führen. Dabei präsentierten wir selbst erstellte Videos zum Thema „Berufliche Perspektiven“ bzw. Jugendarbeitslosigkeit. Am Nachmittag stand Sport auf unserem Programm. Wir konnten in der Gruppe verschiedenste Sportarten tätigen, wobei eine unserer Teilnehmerinnen wegen eines gebrochenen Fingers noch zu einem Abstecher ins örtliche Krankenhaus kam. Der Rest beneidete sie nicht um diesen zusätzlichen Programmpunkt J Am Abend konnten wir uns von unseren Familien verabschieden und unsere letzte Nacht in der Slowakei feiern.

Samstag, der Tag unserer Abreise war für viele zu schnell gekommen und die Abfahrt rückte immer näher. Alle Deutschen wurden mit reichlich Reiseproviant ausgestattet und die 13-stündige Rückreise konnte nach einem tränenreichen Abschied beginnen.

Sandra Hinterberger, Alina-Sophie Ernst

Prešov 2014 - zu Gast bei Freunden Vol. 2

Dieses Jahr wurde nicht nur die Freundschaft und Beziehung zwischen den Partnerschulen Berufliche Schulen Landsberg und dem Gymnázium Konštantínova in der Slowakei, sondern auch zwischen 42 Schülerinnen und Schülern geschlossen und gefestigt. Der Schüleraustausch, bei welchem wir Schüler der FOS unsere slowakischen Partner zwischen dem 19. und dem 24. September beherbergten, erreichte am 17. Oktober seinen Höhepunkt mit der Ankunft nach einer 14-stündigen Busfahrt in das ostmitteleuropäische Land, welches gerade einmal 5 Millionen Einwohner besitzt. Auf der Busfahrt durch Österreich und vorbei an Bratislava ging es bis in den Osten der Slowakei in die Stadt Prešov. Erster Eindruck: Wunderschöne Landschaften, die weite Blicke auf  begrünte Berge und über endlose Felder zulassen. Doch sofort springen unseren verwöhnten deutschen Augen die bescheidenen Siedlungen entgegen. Ein karger Anblick, der zum Nachdenken und automatischen Vergleichen führt.

Am Ziel angekommen, wurden wir herzlich von unseren Gastfamilien und Austauschpartnern empfangen. Ein sowohl kulinarisches, kulturelles, als auch auf die Lebenssituation bezogenes Abenteuer begann für uns alle. Die bescheidenen Wohnverhältnisse, in welchen die meisten von uns Landsberger Schülern die Austauschwoche verbrachten, verwunderten mich. So wenig Platz, eine vierköpfige Familie die ungefähr auf der Fläche meines heimischen Wohnzimmers hauste. Mir wurde deutlich: Hier zählen Werte wie Familienzusammenhalt, liebevoller Umgang und Gemeinsamkeit. Dies ließen unsere Gastfamilien auch uns spüren, Fürsorge, insbesondere für das leibliche Wohl wurde groß geschrieben. In den nächsten Tagen entdeckten wir gemeinsam mit unseren, sowie den slowakischen Lehrern und Schülern das kleine Land. Die Projektarbeit „Berufliche Perspektiven in Europa“ entstand unter der Leitung von Herrn Vogel in Zusammenarbeit zwischen der FOS LL und dem Gymnázium Konštantínova und wurde sogar der lokalen Presse vorgestellt. Die inhaltliche Ausrichtung unserer Schulpartnerschaft hat übrigens derart überzeugt, dass wir in diesem und im nächsten Jahr zu deutschlandweit nur 62 Schulen zählen, die in den Genuss von EU-Fördermitteln im Rahmen des Projektes Erasmus+ kommen.

Äußerst geehrt wurden wir außerdem durch eine persönliche Begrüßung des Bürgermeisters von Prešov, worauf eine Stadtführung durch die drittgrößte Stadt der Slowakei folgte, bei welcher wir Interessantes über die historische Altstadt lernten. Auch die zweitgrößte Stadt der Slowakei, die letztjährige Kulturhauptstadt Košice, besuchten wir, wobei wir jedoch aufgrund von strömendem Regen nur das Shoppingcenter zu Gesicht bekamen. Angesichts der dortigen Preise führte dies allerdings zu allgemeiner Begeisterung und zu einer ausgiebigen Einkaufstour. Das Highlight für viele von uns war der Ausflug in die Hohe Tatra am Donnerstag mit Besichtigung einer Tropfsteinhöhle und anschließender Wanderung in der faszinierenden Berglandschaft. Auch das leider erneut schlechte Wetter konnte uns die Stimmung nicht vermiesen. Der Ausblick auf den Bergsee an der Hütte, dem Ziel unserer Wanderung und die gigantischen, sich auftürmenden Berge vor uns, entschädigten für den Regen. Die Übernachtung in einem Wellnesshotel nahe der Stadt Poprad, und das vorzügliche Essen in eben dieser Unterkunft, rundete den Abend ab. Nach dieser erholsamen Nacht ging es zum letzten Ausflugsziel der Woche, der Zipser Burg, bei welcher wir vor allem auf dem Turm des jahrhundertealten Bauwerks einen fantastischen Ausblick genießen konnten.

Ein Schüleraustausch wie dieser hat Freunde zusammengebracht, die sich andernfalls vermutlich nie begegnet wären, unseren kulturellen Horizont erweitert, Vorurteile beseitigt und individuelle Eindrücke und Erfahrungen bei allen Teilnehmern hinterlassen.

Fabia Weißer, FOS Landsberg

Prešov 2013 - zu Gast bei Freunden Vol. 1

Ahoi! Das ist slowakisch und heißt Hallo!". Im Rahmen eines Austauschprojektes der Beruflichen Schulen Landsberg am Lech mit einem Gymnasium und einer Berufsschule im ostslowakischen Prešov, erhielten dieses Jahr einige Schülerinnen und Schüler erstmals die Möglichkeit, eine Woche lang das jeweils andere Land und seine Kultur kennenzulernen.

 

"Slowakei. Was kommt Ihnen bei diesem Land in den Sinn?". So eröffnete der Leiter des Teams International der Beruflichen Schulen, Herr Krammer, die Informationsveranstaltung. Nachdenkliches Schweigen war die Antwort. Doch wir alle waren neugierig auf dieses kleine, unscheinbare Land im Herzen Osteuropas, das hierzulande leider eher unbekannt ist. Ein anderes Land, eine andere Kultur, andere Menschen und ein völlig anderes Lebensgefühl, welche darauf warteten, entdeckt zu werden. Zumindest dachten wir das.

 

Anfang Juni standen wir dann gespannt am Geltendorfer Bahnhof, um unsere slowakischen Austauschschüler/innen in Empfang zu nehmen. Viele wundervolle Freundschaften begannen mit dieser ersten herzlichen Begrüßung. Im Verlauf der Austauschwoche konnten wir zahlreiche interkulturelle Parallelen feststellen. Bald konnten wir unsere Austauschpartner für die "Landsberger Wiesn" begeistern, auch die traditionell bayerische Tracht fand großen Anklang und schuf waschechte Volksfestfans. Nicht zuletzt stieß auch die traditionelle (süd-)deutsche Küche auf regen Zuspruch unter den Jugendlichen. Bei den Besuchen auf Schloss Neuschwanstein und Kloster Andechs bot sich daher ein Biergartenbesuch an, bei denen bayerische Schmankerl in stilechter Atmosphäre probiert werden konnten. Der tränenreiche Abschied gestaltete sich wegen der Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen im Oktober und einiger Flaschen bayrischem Bier im Gepäck nicht ganz so schwer.

 

Unser Gegenbesuch zeichnete sich daher in erster Linie durch große Wiedersehensfreude aus. Und doch hatten wir wenig Ahnung davon, was uns in diesem fremden Land, dieser fremden Stadt erwarten würde. Nach der circa vierzehnstündigen Busfahrt kamen wir erleichtert, aber auch sehr erschöpft an unserem Zielort, Prešov, an. Unsere Gastfamilien erwarteten uns bereits und zeigten schon bei der Ankunft ihre große Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, denn einige der deutschen Schüler/innen hatten sich mit der Größe ihres Gepäcks etwas übernommen. Klar, schließlich wollte ja jeder für jegliche klimatische Verhältnisse bestens ausgerüstet sein (obwohl wir die ganze Woche Sonnenschein und annähernd 20 Grad hatten).  Nach einer kurzen offiziellen Begrüßung und Einweisung durch die Lehrkräfte ging es dann schon in unser neues Heim für die folgende Woche.  Einige hatten ihr Gastdomizil in der Nähe des Stadtzentrums, in einem der zahlreichen Plattenbauten, andere wiederum eher in ländlicherer Umgebung, was jedoch aufgrund der ausgezeichneten Anbindung öffentlicher Verkehrsmittel kein Problem darstellte.

Wie schon erwähnt, sind die Slowaken äußerst gastfreundlich. Stets bekamen wir mehr als reichlich zu essen und auch an die etwas andere Nationalküche gewöhnten wir uns schnell. Der Unterschied zur bayerischen Küche besteht vor allem darin, dass vor jeder Mahlzeit, außer natürlich dem Frühstück, eine Suppe als Vorspeise gegessen wird. Ein weiterer immenser Unterschied zu deutschen Essgewohnheiten ist, dass der Kalorienzählboom in diesem Land wohl noch nicht Einzug gehalten hat. Beim Zubereiten von Speisen aller Art wird mit Fett und Zucker nicht gespart, und im Supermarkt sucht man vergebens nach Diätprodukten. Mehr als überrascht waren wir daher, als wir feststellten, dass es dort trotzdem kaum übergewichtige Menschen gibt.

Entgegen mancher Erwartung ist die Armut nicht allgegenwärtig. Aber sie ist da. Die meisten der Bettler, die an öffentlichen Plätzen ihr Glück versuchen, zählen zu der Bevölkerungsgruppe der Sinti bzw. Roma. Auch im slowakischen Volksmund werden sie als Zigeuner bezeichnet und abgewertet. In den größeren Städten gibt es Zigeunerghettos. Angst muss trotzdem niemand haben. Die Kriminalitätsrate ist nicht viel höher als in Deutschland und die örtliche Polizei ist stets präsent. An das eigenwillige Sirenengeräusch konnte sich aber kaum jemand gewöhnen. Das deutsche Martinshorn liegt definitiv angenehmer in den Ohren.

Der Durchschnittslohn in der Slowakei ist viel niedriger als in Deutschland. Der normale Stundenlohn für einen Schüler, der während der Schule als Kellner oder Verkäufer jobben geht, beträgt dort regulär nur 2 Euro. Regionale Produkte und beispielsweise Strom sind deshalb vergleichsweise billig. Importierte Konsumgüter, wie z.B. Nutella oder Benzin sind dagegen für die Durchschnittsbevölkerung kaum erschwinglich. Autofahren wird deswegen so weit es geht vermieden, was durch das vorbildlich ausgebaute Netz an Bus- und Straßenbahnverbindungen kein Problem ist. Kleinwagen und praktische Kombis bevölkern die Straße. Große Geländewagen oder Fahrzeuge teurer deutscher Marken sieht man kaum.  Autos werden hier nicht zum Statussymbol stilisiert.

Ein besonderes Highlight unseres einwöchigen Aufenthalts war die Wanderung durch den Nationalpark Hohe Tatra. Die Hohe Tatra, der älteste Nationalpark des Landes, beinhaltet das gleichnamige Gebirge und bildet eine natürliche Grenze zu Polen. Etwa ein Drittel des Baumbestandes fiel 2004 einem Orkan zum Opfer. Was als Naturkatastrophe begann, entwickelte sich zu einem faszinierenden neuen Lebensraum. Totholz ist ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems und bietet Flora und Fauna neue Möglichkeiten. Nicht nur für die Naturfreunde unter uns war das ein ganz besonderer Tag in diesem einzigartigen Park.

Der darauf folgende Abend in einem Berghotel rundete den impressionsreichen Wandertag perfekt ab. Deutsche und slowakische Schüler saßen noch bis in die späten Abendstunden beisammen. Es tat der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch, dass Konversation stets auf Englisch stattfand, damit jeder mit jedem kommunizieren konnte. An der slowakischen Sprache durften wir uns zwar in einem, eigens für uns konzipierten, Slowakisch für Anfänger-Unterricht erproben, jedoch stellten wir rasch fest, dass uns nicht nur die zahlreichen Vokabeln, sondern auch die uns fremde Aussprache etwas überforderten. Mit der Weltsprache Englisch verlief das gegenseitige Verständnis dagegen absolut reibungslos, was zeigt, wie wichtig es ist, diese Sprache zu beherrschen.

Weitere Highlights waren u.a. ein Besuch in der riesigen Anlage der Zipser Burg, ein gemeinsames Sportevent, das Lauschen eines Zigeunerkonzertes der weltbekannten Gruppe Cigánski diabli und ein Bummel durch die Weltkulturhauptstadt Košice, welche sich nur eine einstündige Zugfahrt entfernt befindet.

 

Der Tag des Abschieds kam daher viel zu schnell. Und doch standen wir alle am Nachmittag des 26.10. mit gepackten Koffern am Bahnhof in Prešov. Tränen flossen, letzte Erinnerungsfotos wurden geschossen und Umarmungen verteilt. Nach slowakischer Art ein Küsschen rechts und ein Küsschen links, dann ab in den Bus. Im Gepäck: Erfahrung fürs Leben, die uns niemand mehr nehmen kann. Wir hatten eine tolle Zeit hier und haben nun eine ganz andere Sicht auf die Slowakei. Eine positive, eine aufgeklärte Sicht. Besonders schwer wiegt der Gedanke, dass man seinen Austauschpartner und andere neue Freunde wohl so schnell nicht wieder sehen wird. Dank sozialer Netzwerke wird der Kontakt zwar nicht so schnell abbrechen, aber das ist nur ein schwacher Trost. Weitaus tröstender ist da der Gedanke an weitere Besuche im jeweils anderen Land, ganz nach dem Motto: Zuhause ist da, wo du Freunde hast. 

 

Verfasser: Tamara Weber (S12a) und Maximilian Mayr (S12d)